Ein besonderes Dankeschön geht raus an Lennart Wollmershaeuser, der das tolle Intro für diese besondere Episode gesprochen hat.
Die häufigsten Bullshit-Argumente im E-Commerce
Nach zwölf Wochen JDKRUEGER&CO und unzähligen Gesprächen mit Shop-Betreibern hat sich ein Muster ergeben. Nicht das Muster der erfolgreichen Shops — das der Ausreden. Die gleichen Bullshit-Argumente tauchen wieder und wieder auf. Sie klingen überzeugend, sind aber das größte Hindernis für Wachstum. Hier ist die Liste der häufigsten — und warum sie nicht funktionieren.
Bullshit #1: "Für SEO hab ich schon jemanden"
Die Aussage klingt nach Professionalität. Die Realität sieht oft anders aus: Ein Sichtbarkeitsindex von 0,06 bei einem B2C-Shop. Ein Relaunch, bei dem „halt ein bisschen was kaputt gegangen ist“. Die Entschuldigung: „Das ist ja normal beim Umzug.“
Nein, ist es nicht. Ein professioneller Relaunch verliert nicht die gesamte Sichtbarkeit. Wer das als normal verkauft, hat keine Ahnung — oder lügt. Das Problem ist nicht der Umzug an sich, sondern die Art und Weise, wie er durchgeführt wurde. Redirects vergessen, Struktur zerstört, Inhalte entfernt — das sind keine Unfälle, das ist schlechte Arbeit.
Bullshit #2: "Weiß ich schon, steht auf der Liste"
Das ist der Klassiker. Jeder Vorschlag wird mit demselben Satz abgewehrt. Kundenbewertungen besser anzeigen? „Steht auf der Liste.“ Filter optimieren? „Wissen wir schon.“ Call-to-Action verbessern? „Ist eingeplant.“
Die Wahrheit: Eine Liste, die nicht abgearbeitet wird, ist wertlos. Noch schlimmer: Wer alles „weiß“, aber nichts tut, steht schlechter da als jemand, der gar nichts weiß. Denn derjenige, der nichts weiß, ist zumindest offen für Lernen. Der „Wisser“ hat den Schein der Kontrolle ohne den Erfolg.
Und dann kommt der nächste Schritt: „Ja, aber was genau meinst du mit ‚besser anzeigen‘?“ Die Antwort ist oft eine weitere Ausrede. Denn wer wirklich wüsste, wie man es besser macht, hätte es längst getan.
Bullshit #3: "Ist doch auf der Seite"
USPs? „Stehen doch auf der Seite.“ Garantie? „Ist doch drauf.“ Bewertungen? „Findet man schon.“ Ja, irgendwo. Ganz unten. In der Fußzeile. Zwischen 15 anderen Informationen. Das ist keine Präsentation, das ist Verstecken.
Noch schlimmer: Was dort steht, ist oft generischer Bullshit. „Kostenlose Rücksendung.“ „Schneller Versand.“ „Tausend Zahlungsarten.“ Das sind keine USPs, das ist das Minimum, das jeder bietet. Ein USP ist das, was den Shop wirklich auszeichnet — und der muss sofort sichtbar sein, nicht nach drei Scroll-Bewegungen.
Bullshit #4: "Der Kunde soll das ganze Sortiment wahrnehmen"
Dieses Argument rechtfertigt verwirrende Navigation, überladene Kategorieseiten und versteckte Filter. Die Logik: Wenn der Kunde alles sieht, kauft er mehr. Die Realität: Wenn der Kunde nicht findet, was er sucht, kauft er gar nichts.
Ein guter Shop führt den Kunden — wie Lidl oder Aldi. Klare Wege, einheitliche Struktur, alles findet man auf dem Weg zum Ziel. Ein schlechter Shop schickt den Kunden auf Schnitzeljagd. Filter versteckt, Produkte vergraben, der Weg zum Warenkorb ein Labyrinth. Der Kunde will nicht das ganze Sortiment sehen. Er will das finden, was er braucht — und das so schnell wie möglich.
Bullshit #5: "Ich bin der Experte für meine Kunden"
Der Shop-Betreiber, der sein Produkt nicht mag und es deshalb nicht listet — obwohl die Kunden es kaufen würden. Der Marketing-Leiter, der „weiß“, dass seine Zielgruppe anders ist. Der Geschäftsführer, der seine persönliche Meinung für Kundenwissen hält.
Ein reales Beispiel: Ein Shop-Betreiber empfing ein neues Produkt, fand es „blöd“ und listete es nicht. Nach Überzeugung durch ein externes Feedback stellte er es ein — es wurde sein drittbestverkauftes Produkt. Die eigene Meinung war falsch. Die Kunden haben entschieden. Das ist der Punkt: Der Kunde ist der Experte für das, was er kauft. Nicht der Shop-Betreiber.
Der Ausweg: Mut zur Veränderung
Wer in diesen Argumenten wiedererkannt wird, hat zwei Optionen: Weitermachen wie bisher — und stagnieren. Oder aufhören, sich selbst etwas vorzumachen — und wachsen.
Amazon testet alles. Acht von zehn Ideen funktionieren nicht. Aber die zwei, die funktionieren, tragen das Unternehmen. Für kleinere Shops gilt: Die Ideen müssen klein genug sein, dass ein Fehlversuch nicht ins Geld geht. Aber sie müssen getestet werden. Nur wer testet, lernt. Nur wer lernt, wächst.
Der Bullshit-Kreislauf bricht nur, wenn man bereit ist, die eigene Meinung in Frage zu stellen. Externes Feedback einzuholen. Daten ernst zu nehmen. Und zu akzeptieren, dass das, was „schon immer so war“, nicht automatisch das Beste ist.
Fazit: Weniger Bullshit, mehr Umsatz
Die erfolgreichsten Shop-Betreiber sind nicht die, die am meisten wissen. Sie sind die, die am meisten lernen — und am schnellsten handeln. Sie hören auf Ausreden, fangen an zu testen und lassen Daten entscheiden, nicht Bauchgefühl.
Wer bereit ist, seinen eigenen Bullshit zu erkennen und zu eliminieren, hat einen Wettbewerbsvorteil, den kein Tool kaufen kann: Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und dem Kunden. Und genau das verkauft.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026